Umbau in idyllischer Umgebung
Im Wallis zeigen sich Modernität und Tradition als Symbiose. Im Zuge einer umfassenden Sanierung ergänzte Atelier Brandau Ciccardini ein in Strickbauweise erbautes Chalet um moderne gestalterische Aspekte und beschränkte sich bewusst auf die notwendigsten gebäudetechnischen Elemente.

Im Walliser Zeneggen spürt man den Charme der traditionellen Schweizer Bauweise ganz deutlich. So ist das Erscheinungsbild des auf 1450 Höhenmetern gelegenen Dorfs mehrheitlich von typischen Schweizer Chalets mit teilweise hundertjähriger Geschichte geprägt. Sie entstanden in Strickbauweise und sind durch verschiedene Zwischenzonen separiert. Inmitten liegt das Chalet Quilucru, dessen historische Bausubstanz im Laufe seines Bestehens bereits mehrfach umgebaut wurde.
Moderne Ausdrucksform
Eine umfangreiche siebenmonatige Sanierung des Gebäudes schloss man 2019 ab. Neben der Nachhaltigkeit, die sich vor allem in der Low-Tech-Bauweise darstellt, stand vor allem die gestalterische Komponente im Fokus der Bauherrschaft und der Architekten. Im respektvollen Umgang mit der Bausubstanz sollte die Identität des Gebäudes bewahrt und gleichzeitig um moderne Aspekte ergänzt werden, was sich besonders in den Innenräumen und durch gezielte Farbakzente bemerkbar macht. «Der spielerische Umgang mit Farben und Materialität trägt dazu bei, bestehende und neue Bauteile deutlich ablesbar zu machen», verrät der Architekt Dani Ciccardini vom Atelier Brandau Ciccardini.
Funktionale Bedürfnisse unterstützen
Bereits wenige Grundrissanpassungen erzielten einen höheren Wohnkomfort für die Besuchenden. Im Sockelgeschoss entstanden unter anderem zwei zusätzliche Zimmer und ein neues grosszügiges Bad, das als Farbcollage inszeniert wurde. Obergeschoss und Sockelgeschoss werden durch eine neue spindelartige Betontreppe verbunden sowie um ein Gäste-WC auf dem Podest ergänzt. Eine Holzschalung kleidet die Innenwände in der oberen Etage. Der im Sockelgeschoss verwendete Lehmputz unterstreicht das Bedürfnis nach einer ökologischen und nachhaltigen Bauweise.
Weniger ist mehr
Neben einer neuen Küchenzeile ergänzt zudem ein Speicherofen in Kombination mit einem effektiven Wärmeleitsystem die Wohnebene und ersetzt die bisherigen Elektroöfen. Jener Speicherofen wird mit Stückholz betrieben, ersetzt das bestehende Cheminée und versorgt als einzige Heizung im Gebäude auch die Räume im Sockelgeschoss mit Wärme. «Darüber hinaus ist die Gebäudetechnik auf das Notwendigste beschränkt», erklärt Ciccardini. Im Fokus stand vielmehr Low Tech, was auch der periodenweisen statt einer ganzjährigen Nutzung des Chalets geschuldet ist. Bis auf einen Warmwasserboiler, eine Waschmaschine und die Installationen in der Küche gibt es kaum Energiebezüger im Haus. Eine Photovoltaikanlage wäre vorstellbar, aber die Rentabilität aufgrund der inkonstanten Nutzung des Gebäudes nicht absehbar. «Ein geringer Bedarf ist noch immer am nachhaltigsten», sagt Ciccardini.
Im Dialog mit der Umgebung
Farbige Fallarmmarkisen am Gebäude widerspiegeln die bunten Klappläden der Chalets aus der Umgebung. Auf diese Weise tritt das Chalet in einen wohlwollenden Dialog mit dem umgebenden Gebäudebestand. Durch die gezielte Platzierung neuer Fensteröffnungen wird zudem die Landschaft des Orts in den Innenräumen erlebbar. Weil Zeneggen unter anderem an das Unesco-Weltnaturerbe-Gebiet Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn grenzt, lässt sich daran nur schwer sattsehen. Der Kreis aus traditioneller Schweizer Bauweise und Landschaft schliesst sich dadurch vortrefflich. ●









