Trapeziertes Tanzhaus
Das durch einen Brand zerstörte Tanzhaus in Zürich wird von Barozzi Vega wiederbelebt. Die als Trapeze ausgebildete Fassade dient der Verortung des Bauwerks in seiner einst industriellen Umgebung in Flussnähe.

Seit der Gründung 1996 wird das Tanzhaus Zürich für zeitgenössische Choreografie und Performance genutzt. Es unterstützt zudem Tanzschaffende im Produktions- und Kreationsprozess. Bei einem Brand wurden 2012 das Tanzhaus und die Schweizerische Textilschule zerstört.
Legitimer Nachfolger
Der 2019 fertiggestellte Ersatzneubau von Barozzi Vega basiert auf einem Wettbewerb und ist abgestuft sowie hangintegrierend am Limmatufer verortet. Man verwehrt sich baulicher Dominanz, die bereits das Kornhaus an jenem Standort für sich in Anspruch nimmt, und demonstriert Zurückhaltung. Scheinbar unscheinbar. Das erschwert zwar die Wahrnehmung der Raumvolumen von aussen, verleiht dem Tanzhaus jedoch eine filigrane Eleganz. Ein subtiler Hinweis auf die Gebäudenutzung? Der denkmalgeschützte Gebäudebestand wird somit ganz gezielt um moderne Ästhetik ergänzt. Auf dem Gebäude entstand zugleich ein öffentlicher Raum, um bereits vorhandene Wege unterschiedlicher Höhen miteinander zu verknüpfen.
Wechselseitige Beziehung
Während die Gebäudehöhe als Emanzipationsversuch verstanden werden darf, um sich von den umliegenden Bauten abzugrenzen, setzt man bei der Fassadengestaltung bewusst Referenzen zur industriell geprägten Vergangenheit des Standorts. Verzahnte trapezförmige Fenster- und Betonelemente sind eine Neuinterpretation bestehender Elemente wie Metallstrukturen der Brücken und applizieren dem Bauwerk Modernität. Die Fassadengestaltung hat zudem unweigerlich Auswirkungen auf die Szenerie im Gebäude. Weil die Trapezform auch in den Innenräumen spürbar ist, werden die daraus resultierenden Schattenwürfe tagsüber zu einem Hauptmerkmal im Gebäude. Das zweigeschossige Tanzhaus steht auf der unteren Ebene zur öffentlichen Nutzung bereit. Das Hauptfoyer ist zum Limmatufer ausgerichtet, erstreckt über die gesamte Gebäudelänge und gewährt den Zutritt zu Produktionsräumen und einer Mehrzweckhalle. Die einheitliche Fassade begünstigt die wechselseitige Beziehung zwischen dem uferseitigen öffentlichen Raum und dem Gebäudeinneren. Die obere Etage ist den Büros und Backstage-Räumen vorbehalten.
Präsenz im Stadtbild
Die trapezförmigen Betonelemente gleichen einem Vorhang, der das Vorhandensein des Bauwerks verschleiert. Sommergrüne Kletterpflanzen am Gebäude und Bäume sowie Bepflanzungen in der umliegenden Landschaft verstärken diesen Effekt – zumindest in den Sommermonaten. Durch die Verwendung als natürliches Sonnenschutzsystem setzten die Planenden jenen Effekt ganz bewusst ein. In den Wintermonaten dringt hingegen mehr Tageslicht in die Innenräume vor.
Die ebenfalls trapezförmigen Fensterelemente begünstigen den Dialog, indem sie geringfügig und dennoch ausreichend Einblick in das Gebäude gewähren. Bei abendlicher Beleuchtung der Innenräume erhöht sich die Bauwerkspräsenz im Stadtbild beträchtlich. In jenen Momenten hebt sich der Vorhang am Tanzhaus in Zürich. ●
Bautafel
Projekt Tanzhaus
Standort Zürich
Gebäudeart Ersatzneubau
Architektur Barozzi Veiga
Fertigstellung 2019




