Präzis und linear

Im Zuge der Stadtverdichtung entstanden mit «Fiches Nord» in Lausanne umweltfreundliche, bezahlbare Mieteinheiten. Linear gefräste Faserzementplatten von Eternit verkleiden die Fassaden.

Fiches Nord lausanne
Auskragende Betonbalkone mit Stoffvorhängen als Sicht- und Sonnenschutz erweitern die Wohnräume nach aussen.
Stadtverdichtung in Lausanne
Anna Roos (Autorin) und Roger Frei (Bilder)
Im Zuge der Stadtverdichtung entstanden mit «Fiches Nord» in Lausanne umweltfreundliche, bezahlbare Mieteinheiten. Linear gefräste Faserzementplatten von Eternit verkleiden die Fassaden.

Verdichtung ist in der Stadtplanung ein heisses Thema, und Städte auf der ganzen Welt kämpfen mit den negativen Auswirkungen der Zersiedelung. Die Reduzierung des Kohlenstoff-Fussabdrucks eines Gebäudes, die Nachhaltigkeit des Designs und die Erschwinglichkeit sind ebenfalls zwingende Themen, mit denen die Stadtplanung heute konfrontiert ist. Wohnungsbauprojekte wie «Fiches Nord» in Lausanne sind ausgezeichnete Beispiele dafür, wie attraktive, umweltfreundliche Wohnungen entworfen und umgesetzt werden können und gleichzeitig für den Durchschnittsverdiener bezahlbar bleiben. Das Projekt «Fiches Nord» in Lausanne ist das Ergebnis eines Wettbewerbs des Zürcher Architektur- und Stadtplanungsbüros Züst Gübeli Gambetti aus dem Jahr 2008. Vier kompakte polygonale Gebäude bilden eine fliessende Fortsetzung des östlich angrenzenden dichten Stadtgefüges. Die skulpturalen Formen schaffen eine dichte und gleichzeitig durchlässige Anordnung auf dem Areal.

Verschiebung und Versetzung

Auf Initiative der Stadt wurde 2008 eine Gruppe von Grundeigentümern gebildet, um mit «Fiches Nord» ein hochverdichtetes, gemischtes, sozial und ökologisch vorbildliches Quartier mit rund 670 Wohnungen und einer Schule zu entwickeln. Der städtebauliche Masterplan sah eine Ansammlung von frei stehenden, mehrstöckigen Gebäuden mit Sportanlagen und Blick auf den Genfersee vor. Der Bau von familienfreundlichen, bezahlbaren Mieteinheiten nach Minergie-Eco war vorgesehen.

Das Büro Züst Gübeli Gambetti nutzte die geneigte Topografie des Grundstücks und entwarf vier- bis fünfgeschossige Bauten, die durch ihre Anordnung und Modellierung vielfältige Aussenräume schaffen. Trotz der hohen Dichte bleibt die Privatsphäre durch die Verschiebung und Versetzung der Fassaden gewahrt, sodass direkte Einblicke in gegenüberliegende Wohnungen vermieden werden. Es entsteht ein Gefühl von Durchlässigkeit und vielgestaltigen Raumsequenzen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verbindung der Wohnblöcke mit dem Grundriss gelegt. Statt die Verkleidung bis zum Boden zu ziehen, werden die Fassaden optisch über einen Betonsockel angehoben.

Leicht, langlebig, nachhaltig

Im Mittelpunkt des Entwurfs standen neben der Dichte vor allem auch die Themen Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit. Diese Aspekte wurden mit einer Betonstruktur und einer nicht tragenden Fassade aus einheitlichen, vorgefertigten Holzbauteilen umgesetzt. Schon während der Wettbewerbsphase fiel die Entscheidung, die Fassaden mit linear gefrästen Faserzementplatten von Eternit zu verkleiden, da Faserzement ein leichter, langlebiger und ökologisch nachhaltiger Werkstoff ist. Für dieses Bauprojekt wurde an den Faserzementplatten eine Spezialfräsung vorgenommen. Die 10 Millimeter starken hellgrauen Platten haben 2 Millimeter tiefe Rillen, die eine feine, gerippte Textur erzeugen. Diese lineare Oberflächenstruktur mit Reliefwirkung lässt je nach Tageszeit und Blickwinkel ein stimmungsvolles Licht- und Schattenspiel auf den Fassaden entstehen, wodurch die Dreidimensionalität und die skulpturale Qualität der Gebäudevolumen betont werden.

Ausschlaggebend für den Grundriss waren die 122 Zentimeter breiten, geschosshohen Eternitfertigteile, welche die Grundlage für die Fassadenabmessungen bildeten. Die Präzision der Planung führte dazu, dass die Platten nicht zugeschnitten werden mussten, was Zeit spart und einer Materialverschwendung entgegenwirkt. Auskragende Betonbalkone mit Stoffvorhängen als Sicht- und Sonnenschutz erweitern die Wohnräume nach aussen und ermöglichen den Bewohnenden Offenheit oder Intimität. Fünf raumhohe Eternitlamellen an den Balkonen schaffen einen weiteren Sichtschutz.

Klassisch unterteilt

Die Fassaden der vier Gebäude sind klassisch dreigliedrig unterteilt: ein Betonsockel, auf dem die vier oberen Stockwerke ruhen, gekrönt von einem Dachgeschoss im fünften Stock, das einen einzigartigen Blick auf den Genfersee und die Alpen bietet. Vertikale, raumhohe «französische» Fenster mit filigranen Stahlbalustraden lenken den Blick zwischen die Gebäude. Dem Rhythmus der Fenster liegt eine klare Logik zugrunde, mit zwei Fensterpaaren in den Schlafzimmern und drei oder vier Fenstern in den Wohnzimmern. Äusserst kompakt sind die Wohnungen mit offener Küche, offenem Wohn- und Essbereich gestaltet.

Durch die Verwendung von robusten Materialien, einer Betonstruktur, nicht tragenden Wänden und mit Eternit verkleideten Fassaden haben die Architekten ein ökologisch nachhaltiges Quartier geschaffen. Die kompakten, mehrstöckigen Wohnungen schaffen viel Wohnraum und reduzieren das Budget auf ein Minimum. Mit ihrem zeitlosen architektonischen Ausdruck erwarten die Architekten, dass die Häuser auch in den kommenden Jahrzehnten relevant bleiben.

eternit.ch

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it den linear gefrästen Eternitplatten aus Faserzement wurde ein ökologisch nachhaltiges Quartier geschaffen.
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Die lineare Oberflächenstruktur mit Reliefwirkung lässt je nach Tageszeit und Blickwinkel ein stimmungsvolles Licht- und Schattenspiel auf den Fassaden entstehen.
Fiches Nord lausanne
Vier kompakte polygonale Gebäude bilden eine fliessende Fortsetzung des östlich angrenzenden dichten Stadtgefüges.
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Es entstanden attraktive, umweltfreundliche Wohnungen, die auch für den Durchschnittsverdiener bezahlbar bleiben.
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