Schritt für Schritt
Die Einführung von BIM braucht Zeit. Nur so gewinnt die Planungsmethode an Akzeptanz und wird zum Erfolg. «Bauen digital Schweiz» soll diese stufenweise Einführg orchestrieren, fördern und koordinieren.

Es braucht Zeit
Es geht hier um eingreifende Veränderungen für alle Beteiligten: In den Büros müssen neue Organisationsstrukturen etabliert werden. Die neue Hard- und Software ist extrem kostenintensiv. Hinzu kommt die nötige Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitenden, was wiederum zusätzlichen Personalbedarf erfordert. Die hierfür nötigen Investitionen sind gerade für kleinere und mittlere Unternehmen nicht immer einfach nachvollziehbar und leicht zu stemmen. Entsprechend gross sind Skepsis und Verunsicherung. Eine Basta-Politik wäre hier kontraproduktiv und verändert ganz sicher nicht die Einstellung in den Köpfen derer, die hier die Hauptlast tragen und täglich die neue Planungsmethode effektiv einsetzen sollen. Dazu gehört, neben den Planern und allen Gewerken entlang der Wertschöpfungskette, natürlich die Bauherrschaft, die hier klar mit eingebunden werden muss. BIM kann nur erfolgreich sein, wenn ein gemeinsames Umdenken stattfindet. Das ist eine entscheidende Komponente neben den gesamten technischen Problemen und Errungenschaften. «Stufe 1 ist soweit etabliert und findet zunehmend Verbreitung. Die notwendigen Definitionen für eine Stufe 2 sind geschaffen, so zum Beispiel das SIA-Merkblatt 2051; der Einsatz in der Breite befindet sich noch in den Kinderschuhen», beschreibt Alar Jost den aktuellen Status. Jost ist Vice-Chair BuildingSmart bei «Bauen digital Schweiz» sowie Autor des 4-Stufen-Plans. Welche rechtlichen Anpassungen hier, vor allem ab der Stufe 2, noch nötig sein werden, wäre noch zu klären. Das alles braucht Zeit. Zudem ist man hierzulande bekanntlich eher bedächtiger bei einem Entscheidungsprozess von dieser Tragweite.
Im internationalen Vergleich belegt die Schweiz noch einen der hinteren Plätze. Alar Jost bemerkt jedoch in diesem Zusammenhang: «Die Schweiz hat enorm aufgeholt», und fügt hinzu: «Sicherlich fehlen uns noch die erfahrenen Planer, um die Methode in der Breite zu etablieren.» Die folgende Nachricht macht hier zusätzlich Mut: Man möchte, dass der Bund und alle bundesnahen Betriebe (inklusive SBB) ab 2021 für Immobilien und ab 2025 für Infrastrukturanlagen die BIM-Methode verpflichtend anwenden. Für 2019 sollen dem Verein «Bauen digital Schweiz» mit den Partnern Netzwerk digital (BDCH, SIA, CRB, IPB und KBOB) vom Bund hierfür 5 bis 10 Millionen Franken zufliessen, wie es im Aktionsplan der Umsetzungsmassnahmen der Bundesverwaltung zu Erreichung der Ziele der Strategie «Digitale Schweiz» formuliert wurde.
In einigen Ländern sind die Entwicklungen schon weiter fortgeschritten. Vor allem in den USA, im ostasiatischen Raum, den skandinavischen Ländern, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden wird die Nutzung von BIM systematisch vorangetrieben. Bei unseren deutschen Nachbarn wurde bereits 2015 eine eigene Reformkommission «Bau von Grossprojekten» unter der Leitung des zuständigen Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur gegründet. BIM soll in der BRD bis 2020 Standard werden. Klar ist, dass alle und so auch die Schweiz bis dahin noch einiges an Hausaufgaben erledigen müssen.
Der Stufenplan bildet die Grundlage für die gemeinsame Marschrichtung
Im Stufenplan werden die schrittweise Einführung sowie die Aufgaben beschrieben, die bis zum jeweiligen Zeitpunkt erledigt sein müssten. Gegliedert ist diese Mammutaufgabe in fünf Stufen, wobei Stufe Null, die mit dem Titel «Status Quo» überschrieben ist, den derzeitigen Stand beschreibt. Die gesamte Entwicklung wird in weiteren vier Stufen beschrieben. Erst auf der Stufe 1, die ebenfalls bereits teilweise etabliert ist, findet ein Austausch von digitalen Daten statt, allerdings nur innerhalb eines Büros und eines Glieds der Produktionskette. Man spricht daher von «Little BIM». Erst auf Stufe 2, in der Kollaboration über ein zentrales Modell, ist erstmals von «Big BIM» die Rede, da hier bereits die digitale Zusammenarbeit über mehrere Bereiche der Wertschöpfungskette (Gewerke) funktioniert. Die Stufe 3 beschäftigt sich mit automatisierten Prozessen und erreicht eine echte digitale Zusammenarbeit. Das Ziel auf der höchsten Stufe 4 sind kommunizierende Systeme sowie eine vernetzte virtuelle Welt, zu der auch das Internet of Things (IoT) sowie cyberphysische Systeme (CPS) einschliesslich Maschinensteuerung, Sensorik und Echtzeitmonitoring gehören. Von alledem ist der Alltag in der Bauwelt noch weit entfernt. Immerhin, wir haben einen Plan, den Stufenplan, sind auf dem richtigen Weg und nähern uns dem Ziel. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. ●




