Ist die Welt mathematisch?
Der Bau des FEL am Paul-Scherrer-Institut soll zeigen: Mathematische Präzession, Simulation und BIM gehören zusammen. Für höchste wissenschaftliche Ansprüche wurde hier geplant und gebaut. Doch mit welchem Ergebnis?

Schnittstellenproblem bei CAD-Systemen
Verantwortlich für die Gesamtleitung der Planung und deren Koordination sowie für die Architektur und Bauleitung war das Architekturbüro Itten + Brechbühl. Die Architekten und Generalplaner mit Sitz in Basel verstehen sich als Komplexitätslöser bei Grossprojekten und wurden 2016 für ihre Arbeit am SwissFEL mit dem Arc Award BIM ausgezeichnet. Die Jury begründete ihren Entscheid mit den Worten: «Itten + Brechbühl verwendet hier den Computer als Planungswerkzeug zur Umsetzung der aussergewöhnlichen Anforderungen an das Installationskonzept und zu dessen dreidimensionaler Koordination im Bauwerk. Solche Aufgaben können nicht durch Fleiss und Zeichnen gelöst werden, sondern nur durch innovative Programmierung …» Andreas Jöhri, BIM-Verantwortlicher von Itten + Brechbühl und Projektleiter, beschreibt die Herausforderung wie folgt: «Es ging im Wesentlichen um ein sicheres Erreichen der Ziele bezüglich Präzision am Bau und der Randbedingungen in der Haustechnik.» Weiter erklärt er: «Der Bau entspricht der minimal erforderlichen Hülle um die eigentliche ‹Maschine›. Insofern war der Platz für die Installationen äusserst knapp und die Koordination und laufende Optimierung entscheidend. Dafür eignet sich die BIM-Methodik, sie hilft die Kommunikation im Team und mit der Bauherrschaft effizient zu gestalten.» So ganz problemlos konnte die digitale Zusammenarbeit aber nicht starten. Als Grund gibt Itten + Brechbühl an: «Die CAD-Anbieter hatten die gemeinsame Schnittstelle noch nicht ganz korrekt implementiert». Doch auch diese Herausforderung liess sich meistern.
BIM war für GA nicht gefordert
Für die Fachplanung der HLKS, GA, die Koordination und die Spezialanlagen war «ahochn», der Gesamtdienstleister für Gebäudetechnik und Energie verantwortlich. «Die Planung nach der BIM-Methode war für die Gebäude-Automatisation nicht gefordert. Da aber die Maschinenplanung vom PSI übernommen wurde, waren etwa 60 IFC-Datenmodell-Sitzungen und Kollisionsprüfungen erforderlich», erklärt Dipl.-Ingenieur Markus Schädler, der bei«ahochn» die Fachplanung leitete. Auf die zukünftigen Erwartungen an BIM angesprochen, erklärt er: «Ich wünsche mir von allen Parteien mehr Mut und dass alle beim Einsatz von BIM ihre neuen Verantwortungen wahrnehmen. Dann bekommt der Prozess Schwung.» Auf weiteres Nachfragen musst er jedoch anmerken: «Die etwa 300 Projektänderungen führten zu wesentlichen Mehrkosten, die dafür sorgten, dass sich die Arbeiten um etwa ein Jahr verzögerten. Doch muss man hinzufügen, dass die Maschine infolge der formalen Ausschreibungsverfahren und Einsprachen ebenfalls verzögert geliefert wurde. So ganz ging die Rechnung – trotz BIM – also nicht auf. Bedeutet dies, dass die mathematischen Algorithmen und Prozesse der BIM-Methodik in der Praxis versagt haben?
BIM wird sich durchsetzen
Architekt Jöhri macht Mut: «BIM war zur Zeit des Swiss FEL noch in sehr kleinen Kinderschuhen, hat sich aber sehr schnell weiterentwickelt … BIM wird sich als Methode in den nächsten Jahren durchsetzen und zum Standard werden.» Sicher gibt es noch Schwächen, doch BIM könnte in wenigen Jahren perfekt funktionieren, mit noch mehr rationaler Mathematik und weniger menschlichen Schwächen. Spätestens wenn wir die vierte Ebene des Stufenplans erreicht haben und alle kommunizierenden Systeme «miteinander» nach rational-mathematischen Gesetzen arbeiten, sind wir dem Ziel einer mathematischen Bauwelt näher. Mit dem neuen SwissFEL können Physiker jedenfalls jetzt, wenn auch verspätet, die Sprache der Mathematik in die Praxis übersetzen.
John Barrow wird es freuen. Der Professor für Theoretische Physik könnte am Ende doch Recht behalten mit seiner These: Die Welt ist mathematisch, q. e. d. ●



