Gedanken verbinden – die Zukunft gestalten
In zwei Jahren startet die Expo in Dubai. Das Motto: «Gedanken verbinden. Die Zukunft gestalten.» Die Planung des Schweizer Pavillons galt als extrem komplexe Herausforderung. Mit BIM wurde sie perfekt gemeistert.

Vom 20. Oktober 2020 bis zum 10. April 2021 findet in Dubai die Expo statt. Das Motto: «Gedanken verbinden. Die Zukunft gestalten.» Die Weltausstellung versteht sich als Plattform für Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit. Doch das ist nichts Neues. Der globale Anlass verstand sich von jeher als Impulsgeber für innovative Techniken und kreative Ideen sowie als internationales Forum für Vordenker. Hier will jedes Land seine Kultur, seine Visionen und seine technischen Errungenschaften im besten Licht präsentieren. An uns Schweizer, eine Erfindernation mit besonderem Anspruch an Präzision, Tradition und Innovation, sind die Erwartungen entsprechend hoch. Die Schweiz, vertreten durch das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA), will dem positiven Image der Schweiz gerecht werden und in der architektonisch anspruchsvollen Stadt Dubai der Welt einen einmaligen Pavillon präsentieren. Entsprechend hoch sind die Ansprüche ans Design des Pavillons. Zudem soll er auf einer Fläche von 2300 Quadratmetern Raum für Tausende Besucher bieten, die den Pavillon täglich frequentieren. Nebst den Anforderungen an die Besucherkapazität gibt es auf Seiten der Veranstalter auch Vorgaben betreffend Nachhaltigkeit. Drei Viertel des verbauten Gewichts müssen sich rezyklieren lassen. Die Wettbewerbsteilnehmer waren also stark gefordert. Das Team unter der Leitung von OOS entschied das Rennen um das integrale Gesamtkonzept für den Schweizer Auftritt an der EXPO 2020 für sich. Das Siegerprojekt wurde vom Architekturbüro OOS zusammen mit dem Szenografie-Atelier Bellprat Partner sowie Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau entwickelt. Mit dem Mandat als Generalplaner hat OOS die übergeordnete Verantwortung für die Planung des Pavillons. Dazu gehören neben Architektur, Statik und Haustechnik auch die Innenarchitektur sowie szenografische und landschaftsarchitektonische Aspekte des Projekts.
Im Zentrum steht die Zusammenarbeit
Eine der grossen Herausforderungen ist dabei der besonders hohe Anteil an innenarchitektonischen und szenografischen Aufgaben, welche die Pavillon-Architektur massgeblich mitbeeinflussen. Für OOS war klar, dass diese Herausforderungen nur mit einer die Zusammenarbeit unterstützenden Methode, also BIM, sowie geeigneten Prozessen und Tools gemeistert werden können. Die Zusammenarbeit steht dabei für OOS im Zentrum: Schon das Firmenkürzel, das für Open Operating System steht, bildet das Verständnis von Zusammenarbeit sehr schön ab. «Wir bearbeiten alle unsere Projekte mit der BIM-Methode», betont Andreas Derrer, Gründungspartner von OOS. «Es geht uns darum, die Komplexität zu managen und alle Planer und Spezialisten mit einer gemeinsamen Methode und transparenten Prozessen zusammenzubinden.» Deshalb ist die Arbeit mit der BIM-Methode, auch wenn von der Bauherrschaft nicht gefordert, kein Selbstzweck für das Zürcher Büro. Das Expo-Motto «Gedanken verbinden. Die Zukunft gestalten.» könnte übrigens auch für BIM stehen, geht es doch darum, in Zukunft durch verbesserte Zusammenarbeit die Qualität von Bauprojekten zu steigern. Beim Entwurf und der Planung des Schweizer Pavillons hat diese Umsetzung des Mottos bereits gut funktioniert.
Vor dem eigentlichen Projektierungs- und Planungsprozess für den Pavillon gab es einige Hausaufgaben zu erledigen. So musste geklärt werden, wie sich Innenarchitektur, Szenografie, Licht- und Medienplanung in den Open-BIM-Prozess integrieren lassen. Denn innenarchitektonische Themen (Verkleidungen, Oberflächen und Ausstattungen) können nicht in einem klassischen Architekturmodell abgebildet werden – die wenigsten Elemente und Bauteile funktionieren raumbezogen. Zunächst wurden seitens OOS, aufbauend auf den Erfahrungen aus anderen Projekten, verschiedene Prozesse entwickelt, getestet und definiert. Die Spielregeln für die Zusammenarbeit und die Definition, wo welche Information und Dokumente zu finden sind, wurden festgelegt. Es musste geklärt werden, wie Planer und Spezialisten eingebunden werden können, die sich nicht oder nur wenig mit der BIM-Methode auskennen. Um eine integrale BIM-Planung zu erreichen, hat das OOS-Team eigens neue Tools geprüft und aufgesetzt. «Für BIM-Unerfahrene liegen die Schwierigkeiten bei der Arbeit mit der Methode vor allem im Wandel, in der neuen Arbeitsmethode und in der neuen Zusammenarbeitsform», so Anna Pál, BIM-Managerin bei OOS. Diese Hürden will OOS mit Schulungen sowie schlank designten Prozessen überwinden. Anna Pál gesteht jedoch: «Im Moment brauchen die Abstimmungen im Team, die Schulungen, das Testen von Tools, das Erarbeiten von Vorlagen und das Aufsetzen der ‹BIM-Umgebung› noch ziemlich viel Zeit. Dafür steigt die Qualität der Planung und der Kollaboration. Über die gesamte Projektlaufzeit wird sich das erfahrungsgemäss auszahlen. Warum also anders arbeiten?»
Jedes Projekt braucht seine eigene Vorbereitung
Gemeinsam entwickelte Spielregeln und vorab getestete Prozesse bieten Sicherheit und beheben aus der Arbeit mit der BIM-Methodik entstehende Schwierigkeiten. Dennoch will man bei OOS die für dieses Projekt entwickelten Prozesse nicht als Credo verstehen und sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Vor allem möchten die Generalplaner die hier gewonnenen Erkenntnisse auf zukünftige Projekte übertragen. Trotz der Erfahrung mit der Methodik erfordert auch bei OOS jedes Projekt eine eigene Vorbereitung und individuelle Organisation. Bei OOS hat man das Potenzial der digitalen Planungsmethode übrigens bereits früh erkannt. Das Büro investiert schon einige Jahre in BIM und projektiert und plant alle seine Projekte grundsätzlich digital. Die Zuständigkeiten und die Arbeit von Anna Pál beim Projekt «Schweizer Pavillon» zeigen, welchen Umfang die BIM-Planungsmethode erreicht hat. Anna Pál ist beim Pavillon-Projekt als BIM-Managerin und -Koordinatorin für die strategische und operative Entwicklung der BIM-Prozesse, -Vorlagen und -Tools verantwortlich. Ihre Rolle und Verantwortlichkeit orientiert sich an den Vorgaben des Merkblatts SIA 2051. Zu ihren Aufgaben gehören neben dem BIM-Set-up, das auf die Bedürfnisse und Anforderungen des aktuellen Projekts angepasst werden musste, Schulungen für sämtliche neuen Tools und Datenbanken. Auch Aufgaben wie zum Beispiel die Gesamtkommunikation zu orchestrieren werden an Expertinnen wie Anna Pál übertragen. Und dies zu Recht. Denn nur durch den ständigen Austausch von Wissen und Erfahrungen und eine konstruktive Zusammenarbeit entstehen singuläre Projekte wie der Schweizer Pavillon an der Expo in Dubai. ●
Software und Planungs-Tools
Projektplattform SyselShare (Syselcom Mutuelle Informatique SA)
Issue Management BimCollab (Kubus)
Qualitätssicherung Solibri Model Checker 9.8 (Solibri)
Räumliche Koordination Solibri Model Checker 9.8 (Solibri)
Fachkoordination Revit 2018.2 (Autodesk)
Modellerstellung AR ArchiCad 21 (Graphisoft)
Modell-View und Kommentar (Task-/Issue-Mgt.) BimCollab ZOOM (Kubus)
Integrale Raumdatenbank BuildingOne 10 (OneTools)
Modell und Plannutzung IFC, DWG oder PDF-Format Cost-X (Exactal), BuildingOne 10 (OneTools)
Modellerstellung Revit 2017 (Autodesk)
Qualitätssicherung und interne Koordination Solibri Model Checker (Solibri), Navisworks Manage (Autodesk), Revizto (Autodesk)




