BIM basiert auf Wissen

BIM ist ein junges interdisziplinäres Fachgebiet. Es ist eine Mischung aus Management, Informatik, Architektur und dem Ingenieurwesen. Die gute Ausbildung ist das Fundament. Die ständige Weiterbildung bleibt ein Muss.

Weiterbildungsangebot
Die FHNW bietet ein umfangreiches Weiterbildungsangebot im Bereich Digitales Bauen. Fotos: Juri Junkov, FHNW Campus Muttenz
Aus- und Weiterbildung
Von Robert Schütz
BIM ist ein junges interdisziplinäres Fachgebiet. Es ist eine Mischung aus Management, Informatik, Architektur und dem Ingenieurwesen. Die gute Ausbildung ist das Fundament. Die ständige Weiterbildung bleibt ein Muss.
Es wird viel geredet über BIM. Und viele wollen es auch gar nicht mehr hören, obwohl sie es nie so recht begriffen haben. Und wie so oft, wenn viel geredet wird, kursiert auch viel Unsinn oder im besten Fall Halbwissen. «Es gibt so viele unterschiedliche Verständnisse von BIM wie es Projekte gibt, umso wichtiger ist es, eine Strategie und ein gemeinsames Verständnis mit den Dozierenden, den wissenschaftlichen Mitarbeitenden und den externen Lehrbeauftragen zu entwickeln, …», so beschreibt es der Professor für Holzbau und BIM Thomas Rohner von der Berner Fachhochschule. Dabei sollten doch alle über das Gleiche reden. Das ist ein ganz wichtiger Grundsatz für das Verständnis von BIM und die spätere Zusammenarbeit beim Bauprozess. Das IFC-Datenformat als eigener Standard, soll diese einheitliche Verständigung technisch lösen. Für die am Prozess beteiligten Bauherren, Architekten, Ingenieure, Fachplaner und Bauherren führt jedoch nur ein Weg zum Verständnis und somit zum Erfolg von BIM: Die fundierte Ausbildung, die einheitliche Definitionen lehrt und die das technische Rüstzeug vermittelt. Doch geht es bei BIM nicht nur um Technik, denn BIM ist eine Planungsmethode, ein Managementtool. Daher gehören «Softskills» ebenso zum Ausbildungsziel. Es geht um die vielbeschworene Teamfähigkeit, um die Gabe des Zuhörens, Verstehens; um Zuverlässigkeit und Kompromissbereitschaft. Das alles gehört zum erfolgreichen Einsatz der BIM-Methode. Laut Aussage von Peter Scherer soll eine gute Ausbildung, eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit erreichen und den Absolventen befähigen bestehende Methoden und Prozesse kompetent zu hinterfragen um so die aktive Gestaltung der Zusammenarbeit zu fördern. Scherer ist Leiter der Abteilung Weiterbildung am Institut «Digitales Bauen an der Fachhochschule Nordwestschweiz und wünscht sich von den Absolventen nach einer erfolgreichen Aus- oder Weiterbildung vor allem eine Erhöhung der Verbindlichkeit in der Zielformulierung sowie ein besseres, gemeinsames Verständnis. Heute muss diesbezüglich vieles in der Weiterbildung kompensiert werden, was eigentlich bereits in der Ausbildung hätte vermittelt werden müssen.

Absolventen loben gute Erfahrungen

Prof. Manfred Huber, ist Leiter des Instituts für Digitales Bauen an der FHNW und zudem Mitglied der Leitung der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik der FHNW. Er gilt als weiterer erfahrener BIM-Experte und Dozent und formuliert seine Forderung mit den Worten: «Mitarbeitende müssen die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen und mit ihren Kolleginnen und Kollegen einüben und auch anwenden.» Er betont zudem nochmals. «BIM» und «Digitales Bauen» ist deutlich vielschichtiger als die Nutzung von digitalen Bauwerksmodellen und dem Anwenden von neuen Softwareprodukten. Vielmehr geht es um eine interdisziplinäre Methode, bei der das Beschaffen und Liefern von Informationen für das Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken im Zentrum steht. Dies gelingt aber nur, wenn dafür geeignete Prozesse und Organisationsformen zur Anwendung kommen.», so Huber weiter.

Digitale Methoden wurden schon in den 90er-Jahren gelehrt

Einer der Mitgründer des Studiengangs MAS FHNW Digitales Bauen an der FHNW, dem bislang einzigen interdisziplinären Weiterbildungsprogramm mit dieser Thematik im deutschsprachigen Raum, ist Prof. Manfred Breit. Bereits in den frühen 90er Jahren hat er «intelligente» digitale Methoden für die Konstruktion und Fertigung in die Ingenieurausbildung integriert (Stahl-, Holz-, und Verbundbau) und die Zusammenarbeit in der Lehre bei der Architektur, Bautechnik und Gebäudetechnik gefördert. Die gute Weiterbildung an der FHNW wird auch seitens der Absolventen auf der hochschuleigenen Internetseite ausdrücklich gelobt. Unter ihnen einige, die selbst mitleiweile einen Namen in der BIM-Welt haben: So schreibt z.B. der Architekt Simon Dilhas, er ist Projektleiter bei der Erne AG Laufenburg: «In dem Kurs habe ich gelernt, wie die Zukunft des Bauens schon heute möglich ist. Die Verbindung von technischem und allgemeingültigem Managementwissen ist ein einzigartiges Angebot in der Schweiz.» Der hier beschriebene modular aufgebaute Master of Advanced Studies (MAS) «Digitales Bauen» bietet den Studenten ein fundiertes Grundwissen über integrative, digitale Bauwerksmodelle sowie neue, kooperative Formen der Zusammenarbeit.

Ein weiterer Absolvent ist Michael Quetting, Leiter Immobilien ETH-Rat, er formuliert seine Erfahrung und Anforderungen wie folgt: «Die zunehmende Komplexität der Infrastruktur stellt hohe Anforderungen an unsere Fähigkeit, diese zu bewältigen. Digitale Informationen über den Lebenszyklus dienen dem Erschliessen von Potenzialen sowie dem Beherrschen von Risiken: Sie unterstützen massgeblich den Planungserfolg.»

BIM4Staff will die Qualität der Ausbildung fördern

Am Fachbereich Architektur, Holz und Bau, der Berner Fachhochschule hat man an eine Strategie für ein qualifiziertes Ausbildungsangebot verfasst und zudem eine entsprechende Projektgruppe unter der Leitung von Prof. Thomas Rohner gegründet. In einem Papier, dass Rohner im Januar an der Veranstaltung «open BIM Forum» in Luzern (23./24. Januar 2019) vorstellen wird, heisst es in der Einleitung: «Die BFH muss darin investieren, BIM und daraus resultierende, weitere digitale Themen interdisziplinär in alle Lehrpläne auf allen Stufen HF, BSc und Master zu integrieren. Wir brauchen adäquat in BIM ausgebildete und für die Digitalisierung zukunftsorientierte Dozierende und Lehrbeauftragte, um effektiven, inspirierenden und der digitalen Zeit gerechten Unterricht zu führen,…» Das Konzept trägt, den Namen «BIM4Staff» und ist Teil einer ganzen Reihe an strategischer Teilprojekten im Zusammenhang mit der erfolgreichen Einführung von BIM.

Das «Professional Certification Program» von Building Smart International

Im Verantwortungsbereichen beim BIM-Prozess stehen drei Berufsgruppen im Fokus: Modellierer, Koordinator, Manager. Diese sind jedoch laut Aussage von Allar Jost, vom Vorstand Bauen Digital noch nicht allgemeingültig etabliert. Auch hier zeigt sich: Das Thema Bildung ist in Sachen Qualifikation und Standard selbst noch eine Baustelle. Jost, der zudem als Head of BIM bei Implenia die Praxis besten kennt, nennt hier als wichtigen Ansatz das «Professional Certification Program» von Building Smart International. Hiermit möchte man die entsprechenden Bildungseinrichtungen bei der Bereitstellung international standardisierter und anerkannter Weiterbildungsangebote unterstützen. Building Smart führt selbst keine Schulungen und Kurse durch, definiert aber die Lernergebnisse und regelt die Zulassung von Trainingsanbietern sowie die Prüfung und Qualifizierung von Einzelpersonen. Jost, der zudem der Autor des Stufenplans ist (siehe S. 7 ff) und sich sehr für die Etablierung von BIM engagiert, betont dennoch die positive Entwicklung: «Die Ausbildung hat sich in den letzten Jahren schon stark verändert, Fachhochschulen und auch die Universitäten passen ihre Studiengänge den Anforderungen der aktuellen Zeit an.» Auf die Frage nach der Auswahl der passenden Ausbildungsangebotes, heisst es in einer Stellungnahme des SIA: «Wertvoll sind Kurse, die den Schwerpunkt auf den methodischen Ansatz legen und dabei einen interdisziplinären Ansatz verfolgen. Die SIA-Form Kurse zur Abwicklung der BIM-Methode gemäss der SIA 2051 (Grundlagen zur Anwendung der BIM-Methode) verfolgen dabei diesen Ansatz.»

Praktische und nichtuniversitäre Ausbildung

Eine der besten Adressen für die nichtuniversitäre Aus- und Weiterbildung im Baubereich, (praktisch und theoretisch) ist der Campus Sursee. Der Geschäftsführer Thomas Stocker formuliert seinen Anspruch mit den Worten: «Die Ausbildung von Fachkräften, vor allem in gehoben Positionen, muss diesem steigenden Anspruch gerecht werden.» Der Campus Sursee hat die fortstreitende Digitalisierung auf der Baustelle in seinem Ausbildungsanbot ausreichend berücksichtigt. Begonnen hat man zunächst mit Weiterbildungen für Baupoliere im Frühling 2018, darauf folgten Seminare im Oktober 2018 mit dem Titel «Digitalisierung in der Ausbildung höhere Kader». Das Seminar richtete sich an Bauführer und Poliere. Die Weiterbildung sollte u.a. darüber informieren, welche digitalen Hilfsmittel bereits im Einsatz sind und welche Auswirkungen diese auf die Arbeit von Polieren haben. Hierfür sind auch bereits GPS-gesteuerte Baumaschinen für die Ausbildung von Baumaschinenführer im Einsatz. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere private Bildungseinrichtungen, und vor allem Softwareunternehmen bieten zahlreiche Webinare und Kurzlehrgänge an, die sich aber zunächst an den eigenen Produkten orientieren und nicht immer eine vollständige, mehrjährige Ausbildung ersetzen können und auch sicher nicht diesen Anspruch erheben. ●

«Die Ausbildung hat sich in den letzten Jahren schon stark verändert, Fachhochschulen und auch die Universitäten passen ihre Studiengänge den Anforderungen der aktuellen Zeit an.» Alan Jost, Vorstand Bauen Digital
Weiterbildungsangebot
An der FHNW wird u.a. die Weiterbildung auf Masterstufe (Master of Advanced Studies) angeboten.
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Der Campus Sursee gilt als eine der besten Adressen für die nichtuniversitäre Aus- und Weiterbildung im Baubereich, (praktisch und theoretisch). Fotos: Campus Sursee
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Auch am Campus Sursee gehört das Thema Digitalisierung auf der Baustelle zum Studienplan.
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