Star-Architektur und ihr Einfluss auf die Stadt

In Bilbao führte der Museumsbau von Frank Gehry zu einem wirtschaftlichen Boom. Auf diesen «Bilbao-Effekt» hoffen viele Städte.

Star-Architektur
In Graz bildet das Kunsthaus eine Brücke, die zuvor getrennt wahrgenommene und sozial unterschiedlich bewertete Stadtteile verbindet. Foto: thinkstock
In Bilbao führte der Museumsbau von Frank Gehry zu einem wirtschaftlichen Boom. Auf diesen «Bilbao-Effekt» hoffen viele Städte.
gun. Kann Star-Architektur das Schicksal einer Stadt positiv beeinflussen? Das Guggenheim-Museum ermöglichte der Stadt Bilbao, sich neu zu erfinden. Die Industriestadt war vom wirtschaftlichen Niedergang gezeichnet. Nach Eröffnung des Museums gelang der Stadt eine wirtschaftliche Neupositionierung; sie wandelte sich zur kulturellen Metropole.Zahlreiche Städte erhoffen sich durch Star-Architektur ähnliche Effekte. «Die Wirkung dieser Bauvorhaben wurde insbesondere für kleine und mittelgrosse Städte bislang kaum untersucht», erklärt Prof. Alain Thierstein vom Lehrstuhl für Raumentwicklung der TU München. Ein Team des Lehrstuhls, der HafenCity Universität Hamburg und der Technischen Universität Berlin hat daher drei Fallbeispiele untersucht: das Kunsthaus Graz, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) und das Wissenschaftszentrum phæno in Wolfsburg. Da diese Bauwerke bereits seit über 15 Jahren bestehen, können auch Langzeitauswirkungen beobachtet werden. Es wurde das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Faktoren, der Gestaltung der Gebäude und der gesellschaftlichen Effekte analysiert. Sie fanden heraus, dass die Projekte zwar positive ökonomische Effekte haben, wie zum Beispiel die Erweiterung der touristischen und kulturellen Angebote, diese aber nicht zu einer deutlichen Neupositionierung führen. Einen kausalen Zusammenhang zwischen den ökonomischen Effekten der Projekte und den sozioökonomischen Veränderungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder im Tourismus, konnten sie nicht feststellen.

Die Architektur nicht vernachlässigen

In allen drei Fällen beobachteten die Forscherinnen und Forscher eine Verschiebung der räumlichen Relationen der Stadt. In Graz bildet das Kunsthaus eine Brücke, die zuvor getrennt wahrgenommene und sozial unterschiedlich bewertete Stadtteile verbindet. In Luzern verstärkt das KKL die Verschmelzung von Landschaft und Stadt. In Wolfsburg hatte das phæno einen ähnlichen Effekt: Das Areal gegenüber des Hauptbahnhofs hatte zwar eine grosse Bedeutung für die Stadt, war aber eher unbelebt und unausgelastet. Durch das phæno wurde es in die restliche Stadt integriert.

Diese strukturellen Veränderungen seien die nachhaltigsten Effekte der Projekte, betont Dr. Nadia Alaily-Mattar von der TUM. Wirtschaftliche und soziokulturelle Wirkungen könnten oft temporär und vergänglich sein. «Morphologische Effekte sind eher stabil und weniger vom ‹Star-Faktor› abhängig. Das Bestreben von Stadtplanern und Politikern nach dem Erzielen einer Wirkung durch Star-Architektur darf den Beitrag der Architektur nicht vernachlässigen. Neben ökonomischen und soziokulturellen Effekten ist der Einfluss von Star-Architektur auf die Stadt auch räumlich.»

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