Eine feste Grösse auf Schweizer Baustellen
1977 tauchte der Name Albanese zum ersten Mal auf Schweizer Baustellen auf. Seitdem haben sich die Produkte des Winterthurer Baumaterialhändlers dort etabliert.

gun. Der Winterthurer Unternehmer Giulio Albanese ist das, was im Allgemeinen unter einem Selfmademan verstanden wird. In einem Gespräch anlässlich seines 65. Geburtstages gewährte er einen Blick in seine Innovationsschmiede und redete über das Geheimnis seines erfolgreichen Lebens.Als Sechzehnjähriger aus Kalabrien in die Schweiz gekommen, absolvierte Giulio Albanese hier eine Maurerlehre, fasste schnell Fuss sowohl privat als auch in der Baubranche. Schon bald lernte er sein heutige Ehefrau Christa kennen, mit der er in jungen Jahren das erste Unternehmen gründete. Kontinuierlich verfolgte er seinen Weg und liess sich auch durch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen. Heute, mit fünfundsechzig Jahren kann er die Albanese Baumaterialien AG als gesundes und zukunftsorientiertes Unternehmen seinen Söhnen Pino, Franco und Roland übergeben.
Kalabrien, Familie und Kunst
Ein Geheimnis des Erfolgs ist sicherlich die unglaubliche Anzahl von über 200 Patenten, die Giulio Albanese in den Jahren angemeldet hat. Aber der Schlüssel zu diesem kreativen und zielstrebigen Menschen hat drei Quellen: die Kindheit in Kalabrien, die Familie und die Kunst.
«Meine ersten Jahre waren glücklich, wenn auch nicht ganz unbeschwert», sagt Giulio Albanese über seine Kindheit in Dinami, einem Dorf in Kalabrien. «Wir waren fünf Brüder. Unsere Familie musste keine Not leiden, aber grosse Sprünge konnten wir auch nicht machen. Die Kinder wurden damals schon früh mit dem Berufsleben konfrontiert. Morgens hatten wir Schule, und nachmittags verdiente ich ein paar Lire dazu. Ich half dann zunächst beim Marktstand meines Grossvaters oder im Geschäft meines Onkels aus. Mit dreizehn gingen die meisten der Kinder in Dinami am Nachmittag in eine Lehre.»
Eine Anekdote aus den Kindertagen charakterisiert den Menschen und späteren Unternehmer. Schon hier waren die späteren Anlagen wie Zielstrebigkeit, Gradlinigkeit und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden zu erkennen. «Wenn ich als kleiner Junge am Strand die wohlhabenden Touristen sah, die sich mit Dingen umgaben, die für mich der reine Luxus waren, empfand ich das als ungerecht. Ich wollte nicht so viel, ein Gelato hätte mir gereicht. Aber das konnte ich mir nicht leisten. Und das fand ich im Vergleich zu den Touristen als ungerecht.»
Von dem Wunsch getrieben, sich ein Gelato leisten zu können, wenn ihm danach war, regte sich der kleine Unternehmer in dem damals sechsjährigen Knaben. So missmutig wie ein sechsjähriger Junge mit kalabrischem Temperament nur sein kann, stand er auf und schlenderte am Strand entlang. Er warf noch einen letzten Blick auf die Touristen und sah, wie jemand gerade den letzten Schluck aus einer Flasche trank, ihren Hals nach unten kehrte und achselzuckend seine Freunde ansah. In diesem Augenblick wusste der kleine Giulio, dass er den Touristen etwas zur Erfrischung verkaufen musste, wenn er zu Geld kommen wollte. Die Lösung fand er in einem Feld von Kaktusfeigen, die auf einem Hügel am Strand wuchsen. Früh morgens, wenn die Feigen ihre Stacheln noch nicht geöffnet hatten, pflückte er sie und verkaufte sie dann an die Touristen am Strand. Der junge Giulio wurde nicht müde, immer neue Wege und Möglichkeiten auszuprobieren.
1966 folgte er dem Ruf seines Vaters nach Winterthur, der dort als Gastarbeiter lebte. Giulio absolvierte eine Maurerlehre und fand auch dank seiner Beharrlichkeit und seinem aussergewöhnlichen Talent, die Probleme anzugehen, sofort eine Anstellung. 1969 lernte er seine heutige Ehefrau Christa kennen und lieben. Sie besass wie Giulio das Unternehmer-Gen. «Christa wurde sogar noch vor mir selbstständig und eröffnete zwei Coiffeur-Salons. Ich half ihr, wo ich konnte.» Daneben verlor er jedoch sein Ziel nicht aus den Augen, eine eigene Firma zu gründen.
Mittlerweile hatte er sich als guter Arbeiter und Problemlöser in der Baufirma einen Namen gemacht. Er bildete sich stetig weiter und setzte seine Ideen in Erfindungen um; darunter auch den Abfallsammler Pic Pic, der bis heute im Einsatz ist.
Lösungen für den Bau
«Durch die schwere Arbeit auf dem Bau dachte ich unentwegt über Lösungen nach, die das Leben auf der Baustelle leichter und schneller machten. Aber auch sicherer musste es werden, denn ich erlebte einige schwere Unfälle mit.» Eine seiner Erfindungen war das erste Deckenrand-Abschalungssystem «Geländerpfosten». Mit dieser einschneidenden Neuerung konnte er sein neues Unternehmen positionieren: die Firma Albanese Baumaterialien. Im Jahr 1977 hiess es zum ersten Mal auf Schweizer Baustellen: «Schneller, sicherer, sparsamer!» Mit dem ersten Patent setzte er die Erfolgsgeschichte in Gang.
«Der erste unternehmerische Erfolg forderte Christa und mich vollkommen. Sie arbeitete mittlerweile bei mir. Zudem waren wir zu einer grösseren Familie herangewachsen. 1974 wurde Pino und 1977 wurden die Zwillinge Roland und Franco geboren. Ausserdem lebte Christas Mutter bei uns. Sie war die gute Seele der Familie. Durch sie konnten wir uns tagsüber auf die Firma konzentrieren, denn wir wussten, unser Grosi Herta kümmerte sich um die Buben. Sie bot uns den nötigen Rückhalt.»
Natürlich lief nicht immer alles nach Plan, gerade in den ersten Jahren besuchte Giulio eine Baustelle nach der anderen, um seine Produkte bekanntzumachen, manchmal wurde es dabei auch sehr spät. Doch in der Familie fand er immer wieder Halt.
«Bei aller beruflichen Einbindung war und ist mir der Sonntag heilig, der gehört der Familie, komme was wolle. Die Familie ist etwas ganz Besonderes. Sie ist nicht nur das Rückgrat einer gesunden Volkswirtschaft, sie ist auch der Hort, der Ursprung des menschlichen Zusammenlebens. Familie ist aber mehr als nur Vater, Mutter und Kinder. Familie bedeutet auch eine Zeitlinie über die Generationen hinweg. Eine solche Familie hat ein Zuhause nicht nur in den Herzen, sie wird von den einzelnen Mitgliedern auch gelebt, jeden Tag.
Meine Frau Christa und ich haben die Kinder schon früh in alle Entscheidungen miteinbezogen. Als sie im Unternehmen mitarbeiten wollte, liess ich sie früh Verantwortung übernehmen, sodass ich mich jetzt im Pensionsalter ohne Sorge für die Zukunft in den Ruhestand begeben kann.»
G 65
Das Wort Ruhe kennt Giulio Albanese aber eigentlich nicht. Er hat sich schon immer beim Grübeln über ein Problem entspannen können. Nach über 200 Patenten und Erfindungen ist vor Kurzem der «G 65» auf den Markt gekommen. Das G steht dabei für Giulio und die Zahl für sein Alter. Es ist ein Spitzer für Zimmermannsbleistifte. Der Erste seiner Art. Eine äusserlich kleine Erfindung mit einer grossen Wirkung für die tägliche Praxis auf der Baustelle. Der «G 65» ist immer greifbar und einsatzbereit, denn er besitzt eine Gürtelklammer beziehungsweise eine Gürtelschlaufe. Die Idee dazu kam ihm bereits mit dreizehn Jahren, aber es bot sich nie die Gelegenheit, sie in die Realität umzusetzen. Zu viele andere Ideen mussten zunächst umgesetzt werden. Ideen, die den jungen Giulio den Weg des selbstständigen Unternehmers beschreiten liessen. «Die erste Idee kam mir bereits in jungen Jahren. Wie erwähnt ging ich damals nachmittags in die Lehre. Mein Freund Pasquale Macri lernte Schreiner und ich Maurer. Wir hatten immer kleine Wettkämpfe, wer schneller einen Zimmermannsbleistift spitzen kann.» Jetzt, mit fünfundsechzig, wird er sich mehr seiner heimlichen Leidenschaft, der Kunst, widmen können.
Und damit sind wir beim dritten Zugang zum Wesen von Giulio Albanese: Er war als Unternehmer schon immer Sponsor und Mäzen von Künstlern gewesen. Ein Beispiel ist die Skulptur «Stadtspielwerk» von Chris Pierre Labüsch auf dem Merkurplatz in Winterthur. Aber er hat auch selbst Kunst geschaffen, ob schmiedeeiserne Arbeiten oder Plastiken. «Die Kunst wohnt im Herzen der Menschen.» Giulio Albaneses Augen leuchten bei diesen Worten, und man hat den Eindruck, in sein Herz schauen zu können. «Die Kunst ermöglicht einen direkten Zugang zum Menschen. Schon von klein auf schlummerte der Wunsch in mir, Künstler zu sein. Jetzt habe ich die Zeit, diesen Wunsch an die Oberfläche kommen zu lassen.» Es wird klar, dass die enorme Kreativität dieses Mannes ihren Ursprung in dieser künstlerischen Ader hat. «Kunst ist wie die Natur. Beide sind unersetzbar und überdauern die Zeit.»
Auf die Frage, was ihm von all den Baustellenjahren besonders geblieben sei, antwortet Giulio Albanese: «Die Freundschaft mit meinen Kunden. Mit der Zeit hat sich mit vielen von ihnen eine echte Beziehung entwickelt, und das empfinde ich als Anerkennung und macht mich ein wenig stolz.»
Die wichtigsten Erfindungen von Giulio Albanese
Jede Erfindung von Giulio Albanese war bei ihrer Markteinführung weltweit die Erste ihrer Art. Jede Erfindung steht für rationelles Arbeiten, das heisst die Einsparung von Zeit, Vermeidung von Fehlern und unproduktiven Bauabläufen, Erleichterung der Arbeit und Erhöhung der Sicherheit auf den Baustellen.
Deckenstirn-Abschalungshalter: Weltweit erstes Deckenrand-Abschlusssystem, mit dem Deckenränder erstmals zeitsparend fixiert werden konnten. Geländerpfosten: Deckenrand-Abschlusssystem mit integriertem Schutzgeländer. Weltweit erstes System mit Absturzsicherung für Bauarbeiter.
Zwischenwandabschluss: Mauerwerkskamierung, welche die Aussenwand mit der Zwischenwand verbindet, sodass keine Aussparungen in die Aussenwand gespitzt werden müssen.
Uni-Betonhülse: Zum ersten Mal müssen Ankerhülsen nicht mehr nachträglich in eine Betonwand versetzt werden. Die Uni-Betonhülse wird in die Schalung genagelt und in die Wand einbetoniert.
Uni-Konsole: Laufgerüst, das an der Betonwand befestigt wird und gleichzeitig Schutzgeländer, Deckenrand-Abschalung und Auflage für die Schalung der Betonwände im nächsten Stockwerk ist.
RISA-Familie: Eine Produktgruppe von Distanzhaltern, die als Anschläge für Wandschalungen dienen. Ermöglicht die einfache und sichere Positionierung der Schalungen.
Kombi-V-Halter: Ermöglicht erstmals das Verankern der Stützböcke für einhäuptige Schalungen in der Bodenplatte, ohne dass Spannstäbe einbetoniert und danach abgeflext werden müssen.
Dila-Profi: Vorgefertigtes Dilatations- und Trennfugenelement, das mühsam gebastelte, krumme und verformte Dilatationsfugen überflüssig macht.
BEGO-Familie: Das weltweit erste verlorene Deckenrand-Abschalungssystem, das im Bau verbleibt, nicht mehr ausgeschalt werden muss und Reinigungsarbeiten überflüssig macht. Ein spezieller Abschalungswinkel erlaubt die Anwendung auch bei vorgefertigten Deckenplatten.
V-Max Board: Komplett aus Zement bestehendes, verlorenes Abschalungssystem für stahlbewehrte Bauteile mit Bewehrungsdurchdringung, wobei auch die Abdichtung mittels Fugenband oder Injektion möglich ist.
Uni-Fix-Terrassen- und Flachdachrandhalter: Universeller Terrassen- und Flachdachrandhalter, der im ersten Schritt als Abschalungswinkel für die Decke verwendet werden kann, und danach als Halter für die Terrassen- und Flachdachränder fungiert. Stosssichere Schutzgeländer können daran befestigt werden.
Werkzeugbereich
Spezialschlüssel für Spannstäbe: Werkzeug für das Festziehen und Lösen von Spannstäben in Verankerungshülsen.
Multi-Schalungsschlüssel: Werkzeug zum mühelosen Festziehen und Lösen von Deckenstützen, Flügelmuttern und Spannstäben.
Speedy: Eine Ausziehzange zum mühelosen Entfernen aller Kunststoff- und Holzteile aus dem Beton.
G 65: Spitzer für Zimmermannsbleistifte mit Gürtel-Klammer und -Schlaufe. Geeignet auch für jede andere Art von Bleistiften.


