Anforderungen an eine Fassade

Die Bandbreite der technischen Möglichkeiten bei der Konzeption der Fassade sowie die unterschiedlichen Formen der Materialisierung stellen eine grosse Herausforderung dar.

Holzfassade
Holzfassade Wolfswinkel in Zürich-Affoltern.
Systematik für die Planung
Die Bandbreite der technischen Möglichkeiten bei der Konzeption der Fassade sowie die unterschiedlichen Formen der Materialisierung stellen eine grosse Herausforderung dar.

gun. Eine Fassade hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: ästhetisches Identifikationsmerkmal zu sein und einen klar definierten technischen Zweck, den Schutz des Gebäudes. So klar sind die Grenzen heute nicht mehr. Immer häufiger wird statt einer geschlossenen Fassade eine Lamellenstruktur oder ein semitransparentes Material angebracht. Dies führt dazu, dass sich die wasserführende Schicht hinter der ersten Fassadenschicht befindet, und so die Befestigung samt Unterkonstruktion zusätzlich bewittert wird. Die enorme Bandbreite der technischen Möglichkeiten bei der Konzeption der Fassade sowie die unterschiedlichen Formen der Materialisierung stellen in der Planung eine grosse Herausforderung dar. Nachfolgend wird eine Systematik aufgezeigt, und dabei werden die praktischen Seiten in den Mittelpunkt gestellt.

Ausdruck und Wertigkeit

Jede Visualisierung zu Beginn eines Wettbewerbs macht Aussagen darüber, wie die Fassade aussehen soll. Wie und mit welchen Materialien die Fassade schlussendlich gebaut wird, ist Ergebnis eines längeren Prozesses, vorangetrieben durch verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Schwerpunkten in der Betrachtung. Alle Aspekte müssen und sollen in die definitive Lösung einfliessen, denn ein Gebäude bleibt im Normalfall über mehrere Jahrzehnte unverändert bestehen. Dafür muss möglichst allen Anforderungen und nicht zuletzt dem Budget des Bauherrn Rechnung getragen werden. Bei fortschreitender Planung ist immer wieder festzustellen, dass auch Materialwechsel vollzogen werden. Daraus ergibt sich, dass sich die Anforderungen mit den ursprünglich gewählten Materialien unter Umständen nicht erfüllen lassen. Die Wahl des richtigen Fassadenmaterials hängt somit von den konkreten Umständen ab.

Baurechtliche Anforderungen

Selbst wenn man die für das Objekt optimale Lösung gefunden hat, ist noch lange nicht klar, ob man eine Fassade auch wie gewünscht ausführen kann. Viele Städte und Gemeinden sind bezüglich der Gestaltung restriktiv. Es lohnt sich daher, bereits frühzeitig die entsprechenden Stellen mit ins Boot zu nehmen.

Brandschutztechnische Bestimmungen

Das Thema Brandschutz ist umfassend. Neben den energetischen Bestimmungen und ästhetischen Aspekten ist es das zentrale Thema für eine Fassade. Die Brennbarkeit alleine ist seit der Überarbeitung der Brandschutznorm 2015 in den meisten Fällen kein einschränkender Faktor mehr. Davon profitieren vor allem Fassaden aus Holz und Holzwerkstoffen. Die Planung einer Fassade ist allerdings komplexer geworden. Die Brandabschottungen und Befestigungen müssen sauber und durchgängig geplant werden.

Anforderungen an die Lebensdauer

Es ist wichtig, gleich zu Beginn darüber zu sprechen, wie lange eine Fassade halten soll. Die gewählten Materialien samt Befestigungsmittel haben eine technische und eine ästhetische Lebensdauer. Erstere sollte deutlich über der Zweiten liegen. Kein Bauherr möchte vor Ablauf von 10 Jahren etwas an der Fassade machen müssen. Wenn nach Ablauf dieser Zeit eine Fassade ästhetisch nicht mehr wie zu Beginn aussieht, dann ist das ein Zeichen normaler Abwitterung. Wenn die Fassade aber nach 10 Jahren eingerüstet werden muss, weil die Deckschicht ein gravierendes Rissbild bekommen hat, Teile der Fassade abstürzen oder aber Holz bereits fault, dann ist mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Thema Lebensdauer nicht die ihm gebührende Beachtung geschenkt worden.

Ökologische Aspekte und Nachhaltigkeit

Das Bauen nach Ecobau-Kriterien nimmt zu, und energetisch optimierte Neubauten, Umbauten oder Ersatzneubauten sind heute die Regel. Hier sollten auch die Aspekte der grauen Energie, der mutmasslichen Lebensdauer und der Wiederverwertung der Materialien mit einfliessen.

Kosten für die Erstellung

Was funktioniert und auch häufig praktiziert wird, ist die Verbindung von verschiedenen Funktionen mit ein und demselben Material. Glasfassaden gehören zum klassischen Vertreter dieser Lösung. Höhere Kosten für die Materialisierung lassen sich nur durch einen verlängerte Lebensdauer rechtfertigen. Es lohnt sich, den Preis in Relation zur Lebensdauer eines Bauteils zu setzen.

Kosten für den Unterhalt

Der Unterhalt eines Gebäudes wird in der Regel bei der Erstellung nicht prioritär behandelt. Bei der Fassade sollte man das jedoch unbedingt tun, denn bewitterte Bauteile sind naturgemäss erhöhter Abnützung ausgesetzt.

Zusammenfassend sei festgehalten, dass es die ideale Materialisierung für eine Fassadenkonstruktion nicht gibt. Sie ist vielmehr die Schnittmenge der genannten Anforderungen.

hartwag.ch

Holzfassade
Konstruktiver Fassadenschutz früher und heute.
Sichtbetonfassade
Sichtbetonfassade im Grossraum Basel.
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