Büro- und Verwaltungsbau  Klassizistisch angehaucht

Das Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich im deutschen Düsseldorf zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie sich moderne Bürobauten im historisch beeinflussten Gebäudeumfeld entfalten können. Eine identitätsstiftende klassizistische Fassade drängt sich elegant in den Fokus.

Geschäftshaus
Von Morris Breunig (Text), B + E Fotografie (Bilder) und sop architekten (Pläne)
Das Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich im deutschen Düsseldorf zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie sich moderne Bürobauten im historisch beeinflussten Gebäudeumfeld entfalten können. Eine identitätsstiftende klassizistische Fassade drängt sich elegant in den Fokus.

Seit 2019 bereichert das von sop architekten geplante Büro- und Geschäftshaus die Düsseldorfer Innenstadt. Der markante, in drei Abschnitte unterteilte und an der Strassenecke Friedrichstrasse und Fürstenwall positionierte Neubau zeichnet sich durch eine klare, reduzierte Formensprache aus. Er ist der Nachfolger eines 1952 fertiggestellten und von Heinz Thoma entworfenen Gebäudes, dessen Ursprünge auf ein 1896 von Hermann vom Endt – bedeutender Mitgestalter der Düsseldorfer Innenstadt um 1900 – umgebautes Bauwerk für die Landesbank zurückführen. Weil ein wirtschaftlicher Betrieb nicht aufrechterhalten werden konnte, wurde das Bestandsgebäude von 1952 schliesslich 2017 abgerissen. «Die überhohen Geschosse sowie nicht zeitgemässe und schwer veränderbare Grundrisse aufgrund der statischen Struktur führten massgeblich dazu. Zudem hätte ein hindernisfreier Zugang nicht gewährleistet werden können», erklärt Birgit Brodhage, projektleitende Architektin bei sop architekten. Neben mehreren Umbauten und Erweiterungen im Laufe der Jahre hielt die klassizistische Fassade des Ursprungsgebäudes auch diesem Abbruch stand.Diese positioniert sich im Zentrum des neuen 115 Meter langen Baukörpers und ist zugleich Teil der ausdrucksreichsten Gebäudeseite. Im Zentrum einer mehrgeschossigen Glasfassade mit massiven Umrandungen aus hellem Naturstein forciert die klassizistische Fassade das Aufeinandertreffen von Alt und Neu. «Nachdem die Fassade zwei Weltkriegen standgehalten hatte, schaffte sie es durch ihre vereinnahmende Präsenz immer wieder, in die Nachfolgebauten integriert zu werden. Für uns kristallisierte sich deshalb schnell heraus, dass wir die Fassade auch ohne Bestandsschutz der Denkmalpflege erhalten und inszenieren möchten. Sie ist das individuelle und epochenverbindende Element des Neubaus», begründet die Architektin den Entschluss zum Erhalt. Die noch immer darauf prangenden Überbleibsel der preussischen Rheinprovinz mit den Stadtwappen von Köln, Koblenz, Düsseldorf, Aachen und Trier tragen massgeblich dazu bei, dass die Fassade den Bewohnenden des Stadtviertels seit jeher als Identifikationsmerkmal gilt. Der historische Gebäudeteil taucht vollständig in die Glasfassade ein. Diese ist zugleich zurückversetzt, wodurch sie der bestehenden Bausubstanz trotz der flächenmässigen Unterordnung eine mindestens gleichwertige Bedeutung verleiht und diese gar als eigenständiges Volumen hervorhebt. Die statische Notwendigkeit einer 30 Zentimeter starken Betonwand hinter der Bestandsfassade wurde mithilfe einer Kerndämmung auch thermisch entsprechend umgesetzt.

Interaktion mit der Umgebung

Zu den Nachbarbauten des Büro- und Geschäftshauses gehören unter anderem ein in den Siebzigerjahren entstandenes und als «Herzogterrassen» bekanntes Bankgebäude der WestLB sowie ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Provinzial Rheinland. Im städtebaulichen Umkreis sind darüber hinaus zahlreiche Nachkriegsbauten und Gebäude aus den Siebzigerjahren zu finden. «Als Ideengeber der städtebaulichen Ausrichtung des Neubaus ist die neogotische katholische Kirche St. Peter am gegenüberliegenden Kirchplatz zu nennen, die nach den Entwürfen des Architekten Caspar Clemens Pickel gebaut und 1898 geweiht wurde», erklärt Brodhage. Mit dem Erhalt der Fassade wird somit auch die notwendige Interaktion mit dem umliegenden Gebäudebestand hergestellt und ein harmonisches Stadtbild begünstigt.

Die für Bürogebäude gewohntermassen strenge Modernität des Neubaus erzeugt eine angenehme Balance der stilistischen Zusammenkunft. Naturstein ist auch hier das vorherrschende Material in der Gebäudehülle. Einseitig angeschrägte Fensterlaibungen erzeugen mehr Tiefenwirkung und erlauben zugleich, dass ein höherer Anteil an Tageslicht in die Innenräume dringt. Der sechsgeschossige Neubau orientiert sich höhenmässig an den angrenzenden Bauten. Das Staffelgeschoss mit vier Meter breiter Dachterrasse ist strassenseitig erst ab einer bestimmten Entfernung wahrnehmbar.

Innenräumliche Flexibilität

Ein 17 Meter hoher Luftraum im Inneren des Gebäudes erlaubt einen Blick hinter die historische Fassade. Während die hell lasierten Holzfensterrahmen mit dem äusseren Erscheinungsbild verschmelzen und dadurch kaum hervorstechen, setzen sie im Inneren wohltuende farbliche Akzente. Ein schützenswertes und von aussen sichtbares Wandrelief am seitlichen Eingang zum Fürstenwall erinnert ebenfalls an das ehemalige Bestandsgebäude. Der Loftcharakter überträgt sich auf das grosszügige und zweigeschossig ausgebildete Foyer im Erdgeschoss, auf die Panoramaaufzüge und auf die jeweiligen Empfangsbereiche sowie die auskragenden Glasboxen in den Obergeschossen. Mit Barbereich, Lounge und Seating-Area von Design Offices steht das rund 500 Quadratmeter grosse Foyer auch der Öffentlichkeit für Begegnungen zur Verfügung. Die Innenräume bieten gesamthaft eine vermietbare Fläche von rund 15 000 Quadratmetern für Büro, Gastronomie und Begegnung. Die flexibel aufteilbaren Bürogeschosse zeichnen sich durch diverse Einrichtungsformen aus. Neben Open-Space-Flächen mit Besprechungsinseln und Rückzugsbereichen befinden sich darin auch Kombizonen mit transparenten Konferenzräumen sowie Einzel- und Gruppenbüros. Aussenterrassen generieren darüber hinaus zusätzliche Aufenthaltszonen auf mehreren Etagen.

Erfolgreiche Symbiose

Die Wärmeversorgung des Bürobaus erfolgt über Wärmetauscher mit Fernwärme und wird mittels Heiz- und Kühldecke im Vierleitersystem gewährleistet. Aus gestalterischen Gründen kamen vereinzelt auch Klimakonvektoren zum Einsatz. Elektrisch betriebene Kältemaschinen in Kompaktbauweise dienen zur Erzeugung der Kühlenergie. Ausserdem berücksichtigte man Trockenrückkühlsysteme mit vorgeschalteter Befeuchtungseinheit zur Abkühlung der angesaugten Luft. Das Gebäude verfügt zudem ausschliesslich über LED-Technik und eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Jene technischen Komponenten begünstigen die Energieeffizienz von Fürst & Friedrich und die Zertifizierung mit LEED-Gold-Standard, für die unter anderem die Nachhaltigkeit des Standorts, die Wassereffizienz, der Material- und der Ressourceneinsatz sowie der Innovations- und der Designprozess von Bedeutung sind. Die Symbiose eines modern gestalteten Bürobaus mit historischen Fragmenten und nachhaltigkeitswirksamen Elementen gelingt. ●

Bautafel

Geschäftshaus
Die Innenräume bieten vermietbare Flächen für Büro, Gastronomie und Begegnung.
Geschäftshaus
Die Nähe zum Kirchplatz setzt den Bürobau in einen städtebaulich historischen Kontext.
Geschäftshaus
Die flexibel aufteilbaren Bürogeschosse zeichnen sich durch diverse Einrichtungsformen aus.
Geschäftshaus
Die hell lasierten Holzfensterrahmen setzen im Inneren wohltuende farbliche Akzente.
Geschäftshaus
Das rund 500 Quadratmeter grosse Foyer hat auch öffentlichkeitswirksame Angebote wie Barbereich, Lounge und Seating-Area.

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Objekt Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich

Standort Düsseldorf (D)

Fertigstellung 2019

Bauherrschaft Art-Invest Real Estate

Architektur Slapa Oberholz Pszczulny | sop architekten

BGF rund 16 900 m²

Geschäftshaus
Die Fassade des Bürobaus ist in drei Abschnitte unterteilt. Foto: Helge Mundt Fotografie
Geschäftshaus
Das rund 500 Quadratmeter grosse Foyer hat auch öffentlichkeitswirksame Angebote wie Barbereich, Lounge und Seating-Area.
Geschäftshaus
Überbleibsel der preussischen Rheinprovinz mit den Stadtwappen von Köln, Koblenz, Düsseldorf, Aachen und Trier zieren die klassizistische Fassade. Foto: Helge Mundt Fotografie
Geschäftshaus
Die hell lasierten Holzfensterrahmen setzen im Inneren wohltuende farbliche Akzente.
Geschäftshaus
Die flexibel aufteilbaren Bürogeschosse zeichnen sich durch diverse Einrichtungsformen aus.
Geschäftshaus
Die Nähe zum Kirchplatz setzt den Bürobau in einen städtebaulich historischen Kontext.
Geschäftshaus
Die Innenräume bieten vermietbare Flächen für Büro, Gastronomie und Begegnung.
Erdgeschoss
Fassadenansicht und Grundriss Erdgeschoss
Gebäudeschnitt
Gebäudeschnitt durch den Bereich der Glasfassade
Geschäftshaus
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