Bildungsbauten – Lebendig, robust und freundlich

Eduwiek in Hoogeveen (NL) ist eine Schule, in der sowohl Kindern mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung als auch Kindern ohne Behinderung ein praxisbezogener Unterricht geboten wird.

Eduwiek-Schule
Die abgerundeten Ecken geben dem Gebäude eine natürliche und freundliche Ausstrahlung.
 Gesamtschule Eduwiek  Hoogeveen
Von Uwe Guntern (Redaktion) und Ben Vulkers (Bilder)
Eduwiek in Hoogeveen (NL) ist eine Schule, in der sowohl Kindern mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung als auch Kindern ohne Behinderung ein praxisbezogener Unterricht geboten wird.

Der Neubau der Eduwiek-Schule in Hoogeveen (NL) ermöglicht die Umsetzung eines einmaligen Unterrichtskonzept, in dem Förder- und regulärer Sekundarunterricht gebündelt werden. Es gibt keine räumlichen Grenzen zwischen den Schülern, wodurch jedem Kind der passende Unterrichtsort, die geeignete Fürsorge und Begleitung geboten werden kann. Das Unterrichtskonzept haben LIAG architecten aus Den Haag (NL) in einem lebendigen und robusten Gebäude mit freundlicher Ausstrahlung umgesetzt.

Planung und Eingliederung in die Umgebung

Die Eduwiek-Schule befindet sich in einem Gebiet, in dem es sowohl Industriebauten als auch und Wohnbauten gibt. Östlich des Geländes befinden sich weitere Schulen, nördlich und westlich grenzen die Gebäude einer sonderpädagogischen Einrichtung an und südlich ein grosses Logistikunternehmen mit einer nach Aussen geschlossenen Fassade.

Das Eduwiek-Gebäude fällt vor allem durch seine abgerundeten Ecken auf. Es fügt sich homogen in die Umgebung ein. Die Räume für die verschiedenen Unterrichtsformen befinden sich in den drei Flügel des Gebäudes, die gleichzeitig auch eine räumliche Trennung bilden.

Das relative grosse Bauvolumen wurde nach den einzelnen Funktion in mehrere Segmente unterteilt, die Raum für jede Fachrichtung bieten. Ein integrativer Aussenraum umgibt das gesamte Gebäude und kann von allen Schülerinnen und Schülern genutzt werden. Die Form des Gebäudes ist beeinflusst vom hohen Anspruch der Integrität im Innern.

Interne Organisation

Der Neubau bietet wie erwähnt die Möglichkeit, dass verschiedene Unterrichtsformen und Schüler unter einem Dach zusammenfinden, wobei die Schüler im Geiste eines gemeinsamen Unterrichtskonzepts arbeiten. «Gemeinsam, wo es passt, getrennt, wo es sein muss», so das Motto der Schule und auch die Grundidee für den Neubau. Jeder Schultyp hat seinen eigenen Platz in dem Gebäude, aber alle drei Schultypen profitieren von den Kenntnissen und Möglichkeiten des jeweils anderen. In den regulären beziehungsweise speziellen Unterrichten werden Wissen und Erfahrungen geteilt. Somit hat auch jeder Schüler Zugang zum gesamten Unterrichtsangebot und zur Lernbegleitung.

Die abgerundeten Ecken geben dem Gebäude eine natürliche und freundliche Ausstrahlung. An den äusseren Enden der drei Gebäudeflügel liegen die Räume der Förderschüler, die eine gewisse Intimität und Ruhe ausstrahlen und empfindlichen Schülern Geborgenheit bieten. Zentral im Gebäude befinden sich die gemeinsam genutzten Einrichtungen wie die Aula, eine Grossküche, die Turnhallen und verschiedene Praxisräume. Auf diese Weise finden die Schüler kleinräumige Angebote, an dem Ort, wo sie benötigt werden, und kombinierten Unterricht, wo er möglich ist – je nach ihren Bedürfnissen. Hier befindet sich auch ein Experten-Zentrum, in dem das gesamte Wissen über Unterricht und Betreuung gebündelt ist.

Die Orientierung innerhalb des Gebäudes wird durch differenzierte Farbgebung der Gebäudeteile und Unterschiede in Offenheit und Transparenz gewährleistet. Oblichter sorgen in jedem Gebäudeabschnitt für Tageslich in den Innenräumen. Auf den Galerien sind offene Arbeitsplätze angeordnet.

Die Eingänge liegen an den Schnittpunkten der Gebäudeflügel und bieten unmittelbaren Zugang zur Aula, die als multifunktionaler Begegnungsraum dient. Die breite, orangefarbene Treppe in der Aula wird bei Schulveranstaltungen als Tribüne genutzt.

In die Umgebung eingegliedert

Für die Fassade wurden Materialien gewählt, die sich optimal in die Umgebung eingliedern. Im Erdgeschoss wurde ein graumeliertes Mauerwerk eingesetzt und in den oberen Geschossen Wellblech. Die Materialwahl erleichterte die Ausarbeitung der runden Formen. Die Eingänge zum Gebäude befinden sich in den nach innen gehenden Rundungen des Gebäudes. Die überdachten Eingänge bieten ausreichend Schutz vor Witterung.

Die Konstruktion basiert darauf, flexibel im Hinblick auf zukünftige Veränderungen zu sein. Daher weist das Gebäude eine Säulenstruktur (Skelettbau) auf, in der die Treppen als Aussteifungskerne wirken.

Unter anderem trug die Verwendung von Fertigteilelemente (Beton-Hohldielen) für die Decken zu einer kürzeren Bauzeit bei. Zudem wurden die Fassade aus vorgefertigten Holzelementen erstellt und mit einem Aussenblech und dunkelgrauen Ziegeln verkleidet. Der Tageslichteinfall wird durch Kunststofffenster und Türen aus Aluminium gewährleistet. Die gläsernen Überdachungen über den Vorhöfen sind mit selbsttragenden Aluminiumprofilen konstruiert.

Um das Konzept der transparenten Schule zu unterstreichen, wurde im Innenraum Glas eingesetzt. Die Wände sind als Gipskartonwände ausgeführt. Sie wurden mit einer mehrheitlich weiss gestrichenen Glasvliestapete beschichtet. An einigen Stellen wurden sowohl an Wänden als auch am Boden Farbakzente gesetzt. Zusätzlich wurden grossformatige Naturfotos aufghängt. Der gesamte Boden wurde mit Polyurethan-Unterlagsboden in verschiedenen, klaren Farben ausgegossen, die zu den Farben der Türen und Schliessfächer in den Unterrichtsräumen passen.

Grundsätze zur Energievermeidung

Das gesamte Gebäude entspricht den Anforderungen der Nachhaltigkeit, da es durch ein Wärmeenergiespeichersystem geheizt und durch öffentliche Ressourcen abgekühlt wird. Das Heizen erfolgt mit Hilfe eines Wärmeenergiespeichersystems, wobei darauf geachtet wurde, dass der Energieverbrauch so gering wie möglich ist. Das geschieht dadurch, dass die Temperatur beim Heizen so niedrig und beim Abkühlen so hoch wie möglich gehalten wird. Die Elektrizität wird zurzeit noch nicht aus erneuerbaren Energien gewonnen, dass wird zu einem späteren Zeitpunkt durch Solarmodule auf dem Dach gewährleistet.

In Vordergrund steht jedoch, Energie zu sparen. Dabei geht man nach dem Konzept «Trias Energetica» vor, das an der Technischen Universität Delft (NL) entwickelt wurde und eine vernünftige Vorgehensweise beim Sparen von Energie in Gebäuden beschreibt. Das Konzept definiert drei Massnahmen oder Grundsätze, die aufeinander aufbauen. Erster Grundsatz, der auch für den Entwurf der Eduwiek Schule gilt, ist die Reduzierung des Energiebedarfs durch Vermeidung von Abfällen. Der zweite Grundsatz ist die Verwendung von nachhaltigen Ressourcen und nachhaltiger Energieerzeugung und der dritte und letzte Grundsatz ist die effiziente Nutzung von fossilen Brennstoffen.

Zusätzlich verfügt das Gebäude über verschiedene Sensoren, die den Energieverbrauch so gering wie möglich halten. Sie erkennen zum Beispiel die Intensität des Tageslichts und löschen automatisch das elektrische Licht.

Auch in Punkto Sicherheit hat die Eduwiek-Schule vorgesorgt. Sie besitzt einen Co²-Alarm, der das überschüssige CO² automatisch absaugt. Ausserdem verfügt das Gebäude über ein Einbruchssystem, das aktiviert wird, wenn die Nutzer das Gebäude verlassen.

Bautafel

Bauherr Roelof van Echten College, Hoogeveen (NL)

Architekten LIAG architecten, Den Haag (NL)

Tragwerksplanung Wassenaars Ingenieurs, Haren (NL)

TGA-Planung Nijeboer-Hage Technisch adviseurs BV, Assen (NL)

Bauphysik Peutz BV, Mook (NL)

Eduwiek-Schule
Eduwiek-Schule
Eduwiek-Schule
Die breite orangefarbene Treppe in der Aula wird bei Schulveranstaltungen als Tribüne genutzt.
Eduwiek-Schule
Für die Fassade wurden Materialien gewählt, die sich optimal in die Umgebung eingliedern.
Ansicht Süd
Ansicht Süd
Ansicht West
Ansicht West
Eduwiek-Schule
Die Aula dient auch als multifunktionaler Begegnungsraum.
Eduwiek-Schule
Eine differenzierte Farbgebung erleichtert die Orientierung im Innern des Gebäudes.
Eduwiek-Schule
Jeder Schultyp hat einen eigenen Platz in dem Gebäude, aber alle drei Schultypen profitieren von den Kenntnissen und Möglichkeiten des jeweils anderen.
Eduwiek-Schule
Eduwiek-Schule
Eduwiek-Schule
Der gesamte Unterlagsboden wurde mit Polyurethan in verschiedene Farben ausgegossen, passend zu den Farben der Türen und Schliessfächer.
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Obergeschoss
1. Obergeschoss
Obergeschoss
2. Obergeschoss
Eduwiek-Schule
Im Innenraum wurde Glas eingesetzt, um das Konzept der transparenten Schule zu unterstreichen.
Eduwiek-Schule
An zentraler Stelle im Gebäude befinden sich die gemeinsam genutzten Einrichtungen wie ein Grossküche oder Besprechungsräume.
Eduwiek-Schule
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Lageplan
(Visited 127 times, 1 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema

up to date mit dem
Architektur+Technik Newsletter
Erhalten Sie exklusive Trends und praxisnahe Innovationen mit Architektur+Technik –direkt in Ihr Postfach.
anmelden!
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link