Sitzplatz zum Kanal

Dank seiner Wasserkraft war das Tösstal bis ins 19. Jahrhundert geprägt von der Textilindustrie. Dazu gehören auch Färberhäuschen, die einen Zugang zum Wasser hatten. Von Ballmoos Architektur GmbH aus Winterthur haben ein solch denkmalgeschütztes Färberhaus mit einem stringenten Anbau erweitert.

Färberhäuschen kanal
Der Anbau mit seinen grossen Fenstern und der Garten richten sich zum Kanal aus. Fotos: Tom LIcht
Von Christina Horisberger und von Ballmoos Architektur GmbH (Text)
Dank seiner Wasserkraft war das Tösstal bis ins 19. Jahrhundert geprägt von der Textilindustrie. Dazu gehören auch Färberhäuschen, die einen Zugang zum Wasser hatten. Von Ballmoos Architektur GmbH aus Winterthur haben ein solch denkmalgeschütztes Färberhaus mit einem stringenten Anbau erweitert.
Das ehemalige Färbereigebäude steht an prominenter Lage in der Kernzone «Chrugeler» von Winterthur Töss und direkt am Rieterkanal. Heute erinnert nur noch die Inschrift an der Trauffassade zur J.-C.-Heer-Strasse an die gewerbliche Vergangenheit. Das schmale und bescheidene Sichtbacksteinhaus mit Satteldach aus den 1890er-Jahren wurde bereits 1934 mit einem eingeschossigen Anbau ergänzt und seither als Wohnhaus genutzt. Von den ehemaligen Eigentümern wurde das Haus in den 1990er-Jahren im Innern sanft renoviert. Mit nur drei Zimmern war es für die heute darin wohnende Familie aber zu klein. Deshalb hat das mit dem Auftrag betraute Architekturbüro von Ballmoos Architektur GmbH aus Winterthur, das von Anina von Ballmoos geleitet wird, den alten Annex durch einem neuen zweistöckigen Anbau ersetzt.Der Neubau setzt in mehrfacher Hinsicht einen Kontrast zum Färbereihäuschen aus Sichtbackstein: in der Materialität, der Farbigkeit, räumlich und volumetrisch. Vom Haupthaus übernommen wurde die Längsorientierung in Proportion, Gliederung und Ausrichtung. Dabei nimmt der neue Holzelementbau einen Wohnraum mit Küche im Erdgeschoss sowie zwei Zimmer und ein Bad in der oberen Etage auf. Im Gegensatz zum Haupthaus zeichnet sich der Neubau durch offene moderne Räume aus. Der Anbau ist zudem so konzipiert, dass eine spätere Unterteilung in zwei separate Wohnungen möglich ist. Die grossen Fenster sind teilweise über Eck gesetzt und richten sich in den Garten und zum Wasser. Mit einem flachen Anschluss unter der bestehenden Traufe entwickelt sich der Neubau zu einer freien Volumetrie mit shedartigem Giebel. Von dieser grosszügigen Höhe profitieren die Räume im Obergeschoss.

Die Fassade ist mit einer sägerauen vorvergrauten Fichtenholzschalung bekleidet, die Dachhaut besteht aus anthrazitfarbenem Blech. Ein Schopfanbau mit Pergola prägt die Südfassade. Bei der Dachsanierung am Altbau wurden die schlanken Flugsparren auf der Giebelseite und die alten Dachuntersichten erhalten. Strassenseitig konnten die alten Ziegel wiederverwendet werden, während die Dachfläche zum Kanal mit passenden traditionellen Strangfalzziegeln eingedeckt wurde. Die neuen Fenster zeigen wieder die historische Sprossenteilung. Der in den Kriegsjahren angebaute Bunkerkeller wurde durch einen neuen Treppenabgang ersetzt. Der Vorgarten ist mit Holzzaun und Nutzgarten ortstypisch gestaltet. Der Sitzplatz zum Kanal wurde in den bestehenden Garten integriert. ●

Färberhäuschen
Der Anbau übernimmt vom Haupthaus Proportion, Gliederung und Ausrichtung.
Färberhäuschen
Das denkmalgeschützte Häuschen trägt noch die Inschrift seiner gewerblichen Vergangenheit.
Färberhäuschen
Eine Terrasse und eine Pergola erweitern den Wohnraum nach aussen.
Wohnzimme
Das offene Wohnzimmer profitiert mit seinen zahlreichen raumhohen Fensterfronten von der durchgrünten Umgebung.
Die Küche
Die Küche ist zum Kanal ausgerichtet.
Obergeschoss
Einblick in das Obergeschoss des Anbaus.
mitTerrassenzugang
Das Obergeschoss nimmt grosszügige Zimmer auf, hier mitTerrassenzugang.
Holzelementbaus
Zwei Zimmer und ein Bad in der oberen Etage sind ebenfalls Teil des neuen Holzelementbaus.
Schnitt
Schnitt
Südfassade
Südfassade
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
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