Bereit für die neue Nutzerschaft

Das Amtshaus in Zürich wurde durch eine Gesamtinstandsetzung für die nächsten rund 30 Jahre wieder betriebstauglich gemacht.

Amtshaus
Das Amtshaus in Zürich wurde durch eine Gesamtinstandsetzung für die nächsten rund 30 Jahre wieder betriebstauglich gemacht.
gun. Die Stadt Zürich hat das Amtshaus Helvetiaplatz während der vergangenen zweieinhalb Jahre sorgfältig und umfassend instand gesetzt. Federführend dabei ware die ARGE Kaufmann Widrig Architekten & Architekturbüro Bosshard und Partner. Damit ist sichergestellt, dass das inventarisierte Gebäude die energetischen und betrieblichen Anforderungen auch in Zukunft erfüllt. Im Februar 2019 ist das Sozialzentrum Helvetiaplatz eingezogen.Zwischen 2016 und 2018 wurde das Amtshaus Helvetiaplatz umfassend saniert. Trotz der damit verbundenen grossen Eingriffstiefe konnte die äussere Erscheinung weitestgehend erhalten bleiben.

Energetische und betriebliche Verbesserungen

Ein zentrales Thema im Zug der Instandsetzung war der Energieverbrauch, da Gebäudetechnik und Elektroninstallationen stark veraltet waren. Durch diverse Verbesserungen in diesem Bereich wie beispielsweise den Einbau von Sonnenschutzfenstern und durch die Verwendung ökologischer Materialien konnte der Minergie-Eco-Standard erreicht werden. Auch die Gebäudetechnik musste entsprechend angepasst und erneuert werden. Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Nutzenden wurden bauliche Massnahmen zur Erfüllung der Sicherheitsstandards ergriffen, wie etwa die Vergrösserung des Empfangs im Foyer. Die Nutzungsflexibilität des Sozialzentrums konnte zudem durch Bürotrennwände in Leichtbauweise erhöht werden.

Die Fassaden des im Architekturstil des «Béton Brut» erstellten Gebäudes konnten gereinigt und sanft instand gestellt werden, sodass sie wieder wie gewohnt in Erscheinung treten. Mit dem Einbau einer kleinen Cafébar im Erdgeschoss und der Verbesserung der Zugangssituation zum Amtshaus wurde dem Postulat von 2013 zur Aufwertung des Helvetiaplatzes Rechnung getragen. Das Gebäude öffnet sich nun selbstverständlich zum Platz hin und lädt Besucherinnen und Besucher zum Verweilen ein (Fertigstellung April/Mai 2019). Zudem wurden 66 bisher oberirdische öffentliche Parkplätze ins Parkhaus Helvetiaplatz verlagert, um mehr Raum für die Aufwertung des Platzes und der Umgebung zu schaffen.

Nutzung durch Sozialzentrum

Das Sozialzentrum, das für die Einwohnerinnen und Einwohner der Sozialregion Limmattal zuständig ist, zog vom aktuellen Standort an der Ausstellungsstrasse ins Amtshaus Helvetiaplatz. Die Mitarbeitenden bieten den Einwohnerinnen und Einwohnern der Quartiere Hard, Industrie, Langstrasse, Werd und Sihlfeld Unterstützung in den Bereichen persönliche und wirtschaftliche Hilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe. Zudem führen sie zivilrechtliche Mandate im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden.

Geschichtlicher Kontext

Die Geschichte des Helvetiaplatzes begann im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit liess sich vor allem die Arbeiterschicht in Aussersihl nieder. Die ehemalige Rotwandwiese, auf der seit 1914 das Bezirksgebäude steht, war für sie ein wichtiger Versammlungs- und Demonstrationsort. Nachdem der Helvetiaplatz 1910 durch die Errichtung der ehemaligen Post Aussersihl und des Volkshauses seine architektonische Definition erhielt, fanden auf dem Platz Versammlungen statt. Der heutige Helvetiaplatz entstand 1952 mit der Kappung der Bäcker- und Turnhallenstrasse nach Plänen von Stadtbaumeister Steiner. Dadurch wurde der Platz verkehrsfrei, und die Voraussetzungen für eine Gesamtplanung waren gegeben. In diesem Zusammenhang erstellten die Architekten Walter, Doebeli + Hoch 1963 das Amtshaus Helvetiaplatz. Mit dem «Denkmal der Arbeit» von Karl Geiser (1964) wird die Bedeutung des Helvetiaplatzes für die Arbeiterbewegung zusätzlich unterstrichen.

Wichtiger Vertreter der Nachkriegsmoderne

Das Amtshaus Helvetiaplatz wurde 2013 zusammen mit dem Platz ins Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufgenommen.

Mit seiner horizontal betonten Sichtbetonfassade und den Fensterbändern ist es ein wichtiger Vertreter der Nachkriegsmoderne. Es zeigt deutliche Reverenzen an den Architekten Le Corbusier. Das Amtshaus ruht auf zwei Stützen und schafft dadurch Transparenz zwischen der Molkenstrasse und dem Helvetiaplatz. ●

Amtshaus
Blick in ein Büro nach der Instandsetzung.
Amtshaus
Es ist gelungen, das Innere den Anforderungen an die neue Nutzung als Sozialzentrum anzupassen.
Amtshaus
Der Originalzustand ist weitgehend erhalten geblieben.
Amtshaus
Das Amtshaus im Jahr 1963. Fotos: Georg Aerni und Juliet Haller, Amt für Städtebau
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Helvetiaplatz und Volkshaus im Jahr 1955.
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